Kunstsalon, Berlin 2007

Beisenherz Skurk – PARALLELPARADIES

Die Arbeiten von Annette Beisenherz und Wilken Skurk sind auf vielerlei Ebenen komplex. Die emotionale Ebene ist essenziell, ebenso das Thema Beziehung in ihren diversen Formen und Ausprägungen. Ihre leidenschaftliche Verbundenheit als Paar findet sich in ihren gemeinsamen Arbeiten im neuen Werkzyklus „PASSION/PARADISE“ wieder im Zusammenspiel von abstraktem Hintergrund und figürlicher Malerei. Dabei ist alles mit allem verbunden, bedingt einander und ist dennoch auch ohne das andere kraftvoll und autonom. 

Wilken Skurks primärer Werkstoff ist gegossenes Glas in Verbindung mit einem anderen Material. Materialkombinationen wie Glas und Stahl, Glas und Holz, Glas und Eisenguss sind typisch für seine Arbeitsweise. Die Dualität der Materialsprache in seinen Arbeiten resultiert aus dem inhaltlichen Interesse an unterschiedlichen Spannungsverhältnissen, sind sie Ausdruck seiner Beschäftigung mit den Themen Verbindungen, Begegnungen, Beziehungen. Der Ursprung ist meist narrativer Natur, die Umsetzung ist jedoch immer abstrakt.  Skurks Farbschüttungen sind das malerische Pendant seiner Skulpturen, entstanden aus einem spontanen Impuls heraus und der Sehnsucht nach der Leichtigkeit des Moments, in der die Zeit stehenzubleiben scheint.

Annette Beisenherz ist Malerin und Projektkünstlerin. Die Druckgrafik gehört auch zu ihren Arbeitsfeldern, da ihre Werke sehr zeichnerisch motiviert sind. Nicht selten überschneiden sich die Disziplinen in den figürlich angelegten und narrativen Arbeiten. Ihr Interesse gilt dem Menschen und seiner Fähigkeit zur Veränderung, im Kontext des individuellen und gesellschaftlichen Wandels der Zeit. Ihre Darstellungen zeigen meist zwischenmenschliche Situationen und Zustände, die Aspekte dieser Veränderungen zeigen.

Das Paar teilt seit fast drei Jahrzehnten ihren ureigenen künstlerischen Blick auf die Welt. Das schafft Reibung und Energie, die sich in dem Werkzyklus „PASSION/PARADISE“ erstmals auf diese kollaborative Weise manifestieren. Am Anfang entstehen die auf Holzplatten geschütteten Farbverläufe, die Wilken Skurk in einem mehrstufigen Prozess trocknen lässt und zum Teil mit Schleifpapier bearbeitet. Die so entstehenden Farbwelten dienen Annette Beisenherz als Kulisse für ihre gezeichneten und gemalten Geschichten, die sie variantenreich erzählt. Die expressive Energie ist spürbar, mit der Annette Beisenherz ihre Figuren manchmal in nur wenigen Minuten erschafft. Die bildnerischen Kompositionen zeigen Menschen in aktionsgeladenen Momentaufnahmen als solitäres Individuum, Träumende oder Auf- und Eintauchende, die teils über Blicke Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Auch Wilken Skurk und Annette Beisenherz sind hier als Protagonisten zu finden, als Künstlerin und Künstler sind sie zugleich einander Muse.

Ihre miteinander verbundenen künstlerischen Welten strahlen in den Bildern eine mitreißende Kraft, Lebendigkeit und Dynamik aus. Sie sind Ausdruck ihrer künstlerischen Autonomie, die Basis für ihre gemeinsame Suche nach neuen Wegen, auf denen es im Verlauf des kreativen Prozesses kein besser oder schlechter, schwächer oder stärker gibt. 

Anja Karrasch (Kulturjournalistin)

Annette Beisenherz und Wilken Skurk


Seit 2023

haben wir eine Minikommunikationsinsel gegründet, das PARALLELPARADIES und produzieren seit dem zusammen Bilder, die zwei Gegensätze vereinen: abstrakte Hintergründe kombiniert mit realistischer Malerei. Der Malgrund ist geschüttet, wirkt fließend mit unterschiedlichen Oberflächeneffekten und bildet die Bühne für relativ realistische Figurensituationen mit Tiefenbedeutung, bzw. metaphorischem Potential. Unbewusst trifft Bewusst, Zufall trifft Absicht, usw.

Wie sind Gegensätze, Ansichten zwei unterschiedlicher Menschen miteinander zu vereinbaren?

„Jeder ist gefangen in seinem Selbst- und Weltbild. Der andere ist eine Störung, eine dauernde Zumutung. Kommunikation ist nur Schein. Wir können uns nicht verstehen.“

Das dachte Levinas, ein Zeitgenosse Kafkas. Das aktuelle, globale Streitpotential ist mächtig. Wir versuchen mit unserem Projekt das Gegenteil.

Thematisch geht es uns darum, die Grenzen der Kommunikation zumindest auf bildhafter Ebene zu durchbrechen. Die Schnittmenge im Bild zu finden, in der Farbe, in der Form, in Beschaffenheit und Struktur. Dadurch, dass wir die Bilder zu zweit produzieren und jeder von uns einen anderen Background hat, ist es umso spannender.

Unsere Themen sind: Beziehung, Auftauchen, Eintauchen, gefangen sein, Abhängigkeit, Türen, Schlüssellöcher und Schlüssel (Antworten). Alb-/Traum, Balance, etc. Die Figurensituation zeichnen sich oftmals durch eine Ambivalenz aus, ein Zustand auf der Kippe, zwischen Angst und Extase, zwischen Auftauchen und Untergehen.

A.Beisenherz